Aus dem Poesiealbum des Schweizer Raps



Das erste «Rüümli» von Lügner und seiner Band «Mamanatua» in einer Waschküche in der Zürcher Tiergarten-Siedlung (1992). Sampler: Amiga 2000 mit 8-Bit-Karte. Mischpult: Geschenk von Heinz aus dem UpBeat (Ewiger Dank dafür!) Monitoring: Bose-HiFi-Boxen
 

 

Wie habt habt ihr  frueher Rap gemacht? Ohne Facebook. Ohne iPhone. Ohne Internet. Ein Briefwechsel zwischen Andi und Luegner.

 

Andi:

altschuelräp? weisch du öb meh no neume de stuff vo paar@ohre cha kriege (am beste uf vinyl) das isch anderst dope schwizer rapshit. würds di närve wenni dir ei zwei froge stell? ich red ebbe immer wider gärn mit lüt wo scho lang debi sind, ihr gsänd die sach nochli anderst als vili wo hüt durd gegend laufe. peace!

Luegner:

ay ay … paar@ohrä-stuff gits bi www.punkrap.ch … Frage? Keis Problem … ich hoffe ich han schnäll gnueg Ziit zum antworte … aber keep hittin them … Peace i diin Hood … de mitem ü

Andi:

yoyoyo ! ich hadi jo letschti mol aghaue wäge froge und so.. ich leg eifach mol los… wie isch das bi eu MCs früener gloffe, ich mein hüt machsch der sone schwuls myspace und wenn per e-mail promo schiebsch wirsch idr stadt scho aquatscht..isch jo voll scheisse so.. wie händ ihr das anekriegt? sind ihr vo session zu session oder wie? und vor allem..wie het da funktioniert das eifach alli mit allne irgendwie connected gsi sind? früener händ irgendwie alli mitnand z tue gha (zürislangconnection, tschlizzedmob und und und…) sorry wenni di so zuetext , aber ich los de schwizer rapshit sit chlii uf und probier immer wieder meh drüber z erfahre. peace out!

Luegner:

hm … das isch no e gueti Frag … ja mer sind eifach a alli geile Konzert gange und händ deete immer wieder Lüüt känneglernt, mit denä gsoffe, kifft und verusse vorem Club gfreestyled … und mit denä Sieche wo mer würklich cool gfunde hät, hät mer dänn mal abgmacht für in Musigruum zum echli style, beats zeige, über HipHop philosophiere usw. Und wänn in Luzern, Bern, Basel etc. en geile Jam gsii isch, dänn händ sich alli Zürcher Homies spöötischtens im HB oder im Zug troffe und händ scho deete Party gmacht … also wieder: gsoffe, kifft, beatboxed und gfreestyled. Und dänn simmer natürlich sehr vill i eusem Rüümli ghanged und händ a eusne Beats und Rhymes gfiiled … und dann und wann au mal e Platte usegee oder es Konzert gee … und a söttige Konzert sind dänn wiederum dBasler, Berner oder Luzerner etc. iigfahre und händ zämme Party gmacht … und die Jungs wo mer dänn richtig cool gfunde hät, mit denä hät mer dänn mal abgmacht zumene Feature oder eifach mal zum (wie obe) im Rüümli kiffe, suufe, beatboxe, freestyle, neui Rapplatte go lose … es isch irgendwie wie e grossi Familie gsii … die wo mer nöd cool gfunde hät, die hät mer eifach in Ruhe glaa und mit de andere isch mer abghänged … und zwar nöd virtuell sondern richtig … und so hät mer dänn au ganz schnäll usegfunde ob öppert uf de gliiche Wällelängi gsii isch … i miinere Lehrziit als Tontechniker han ich dänn z’Nacht oder am Weekend i dem Studio wo ich gschaffed han immer iiglade zum anhänge und freestyle und so isch dänn au de Bligg oder de Rennie s’erscht Mal vor es Mik gstande … (ei so e Session hämmer ja dänn usegee uf Platte: Zürisläng Freischtiil 95) … usserdem häsch ja au di fette Rap-Lieder us de USA nöd eifach chönne ab Youtube bänge … sondern Du häsch müesse en fette DJ känne, wo genau de Sound chauft, wo Du geil gfunde häsch … und bi dem DJ oder mit dem DJ im Rüümli isch dänn natürlich d’Party abgange … so ala: zerscht di allererscht Cypress Hill durelose – dänn völlig gflasht im Egge ligge – und mit derä Inspiration dänn sofort sälber Beats schruube und Reims schriibe … irgendwie so halt … es hät ebe scho siini Vorteil, wämmer sich persönlich trifft und mal zerscht chann ustschekke also quasi Aug in aug, ob eim de Typ gägeüber guet inechunnt … anstatt eifach über facebook en Beat schicke und en Monet spöter hät irgendeine drüber greimt wo mer eigentlich gar nöd kännt (drum verchauf ich ja au kei Beats oder Features – wänn ich de Dude cool finde dänn okay suscht nöd … he he) … aber ich glaube s’volle Flash vo de HipHop-Kultur chunnt mer nur über, wänn mers i de Gruppe praktiziert, im Summer am See hängt, de heisse Mädels nöd eifach naapfiift, sondern de Flirt inen Freestyle verpackt, während de Kolleg de Beat droppt und di andere Grööled und am Joint baue sind … he he … oder ebe wänn mer nacheme dicke Konzert mit de Homes wo mer deete triift ganz gfläscht no stundelang übers Konzert diskutiert so ala: Hey nachem dritte Reim, de Cut vom DJ eifach Hammer – Yaeh … und häsch gsee wie de Eric Sermon bi de Zuegab de Reim verhängt hät und nachher eine vo de geilschte Freestyles droppt hät … debii aber nöd gmerkt hät, das er in Switzerland isch und nöd in Sweden … he he … so züügs ebe … ha ha … du bringsch mich ja grad wieder is schwärme über di guete Alte Ziite … aber hüt isches ja au fresh … mer muess halt eifach liebi zum Züüg haa … ob das jetzt skateboarde, Pfilbogeschüsse oder HipHop isch … und möglichscht alli negative Vibes uusschlüsse oder imene Lied verarbeite … will jedi Sekunde, wo miteme bsoffene Dude wo Dich aapöblet verbringsch oder suscht miteme Stresser, hettsch eigentlich chönne en dicke Reim hitte oder en fette Bet schruube oder diini DJ- Skills verbessere oder neue B-Boy-Moves üebe … und yo …. DAS isch zueteggschte !

 


Oben: Sascha «Lügner» Rossier beim Einspielen einer Besen-Bassline im «Rüümli 2». Unten: Konzertauftritt von «mamanatua» am 19.08.1995 am «Open Air am Horn» in Richterswil (ZH). Von Links: Sascha «Lügner» Rossier, DJ Cutmando (damals DJ Marc), Dario «Stono» Bischofberger

 

Andi:

voll geils schlusswort :-) shit ich läb eifach 10 johr z spot für die kultur frown das mitem feature findi ganz extrem im fall… das lauft hüt würkli über irgendwelchi schwuli email und so, aber ich dänk en richtig geils feature kriegsch nur wenn d lüt mitnand harmoniere,und do sind ihr paar@ohre jo würklich s paradebispiel! waaart, willsch du mir säge das de rennie und dr bligg bi dir s erst mal as mic gstande sind? Ich check ned wie ihrs gschafft händ euche name so izbränne (also doch klar,euri skills ^^ ) aber ich mein wenni so i minere umgäbig luege, gsehni wie irgendwelchi früsch usgschlüpfti 16-jährigi wo sit 2 mönet gmerkt händ das sich silbe chönd reime avönd “rappe” und denn tatsächlich mit “ich fick dis mueter”-slang an uftritt und rise promo etc anechömme… isch das früener au scho so extrem veträtte gsi? das “ey lueg mol, d schwyz brucht N.W.A”-ding? und määän, d liebi für de shit isch uf 100 pro do ;-) ah…no sone schuelfrog hani au^^ wenn isch das hiphopfieber eigentli “richtig” usbroche i dem land? oder sind nach “murder by dialect” alli grad uf schwarzgoldigi adidasjäggli umgstiege? ^^

Luegner:

he he … ich glaub das isch eso echli wie d e wahri “Next-Level- Shit” im Rap … söttigi Haters und Erbsehirnis, wo de Rap als Schwanzverlängerig missbrucht händ, häts au scho ganz früener bi eus gee … ich glaube di wahri Kunscht isch die Lüüt läbe z’laa aber voll z’ignoriere … Es isch huere schwer, aber ich finde, sobald settigi Haters de Wäg i miini Reims gfunde händ, hanni scho verlore … drum versuech isch ohni disse uszchoo und ohni “übers rappe z’rappe” – will dänn landetmer sehr schnäll bi denä Weichbirene und hät ihne dänn auno es paar Linie imene Song gwidmet. Vill geiler isches doch, wänn mer versuecht sich ganz uf siin eigete Sound z’konzertriere, uf de positivi, kreativi Teil vo derä Kultur … freud ha bim sounde siini Ängscht und Hoffnige uf Beats zpacke, siini Vorschläg, wei mer öppis besser macht – oder eifach nur CLint Eastwoodmässigi Coolness zverbreite, dass eim alli Ladies nurno aahimmled ;-) etc … und ab und zue ischs mer dänn au scho passiert, dass eine wo früener so e doofe Hater gsii isch zu mit anesteppt und seit: “Yo, ich han letschti en Stuck vo Dir gfläscht und han huere müesse grööle … geile Shit” … aber ich weiss … es isch huere schwierig immer nur s’guete Vorbild zsii, wänn sich d’Mehrheit ständig gägesiitig aapisst … aber da mein ich ebe mit Next Level … ich glaub next-Level mit de Rapskills hät mer no schnäll erreicht aber das nützt nüüt, wänn nöd au d’iischtellig zum Rap und de Mänsche Next-Level-mässig sind … es guets biischpiil isch doch de “London Nebel” shit  … die jungs läbed i ihrem eigete Universum und mached ihre eigetli geili Shit … obwohl in Berlin rundumme alles verpeschted isch mit AggroBerlin- Homies … he he Und ja: de Rennie und Bligg sind bi mir s’erscht mal voreme Studiomik gstande … (de Bligg verzellt das sogar i siim Track “Back In the days”) und de Shape seit ja au immer, dass er bi eus im 93gi im Üebigsruum riichtig Füür gfange hät (was mich sälber immer erstuunt, will de Shape isch ja sicher vill zfresh für de Planet) … aber hey: Ich töön ja scho wie de gröschti Poser, Sorry … he he … bin halt nur zur richtige Ziit am richtige Ort gsii … thats all … ich han würklich s’gfühl, dass de Bligg genau uf derä freischtiil-schiibe usem 95gi … allne zeigt hät, dass Schwiizer Rap nöd nur so Oldschoolmässig muess töne wie Murder by Dialect … sondern dass mer au uf Mundart so cool chann töne wie EPMD … die Schiibe hät alli Rapfans i de Schwiiz elektrisiert … Du gxeesch … au wänn de Bligg hüt Hitparade-Volksmusig macht … mer müend em trotzdem Respäkt zolle für siini Pionierarbet … he he … aber das mit de Adidasjäggli isch natürlich scho mit Run DMC und de Beastie Boys zu eus überegumped …

 


Englisches HipHop Magazin HHC, Ausgabe April 1994. Darin fand Sascha «Lügner» Rossier mit seiner Band «mamanatua» zum ersten Mal mediale Beachtung. Foto ganz rechts: Sascha «Lügner» Rossier, Dario «Stono» Bischofberger, DJ Cutmando (damals DJ Marc)

 

Andi:

das mitem next level shit het mi jetzt rächt guet beschäftigt alte xD stimmt scho, isch brutali verschwändig vo ziile^^ das london nebel ding isch jo voll geil ;-) demfall mueme dir jo scho danke säge für all de fräsh ch-rap wo do us dinere chammere cho isch ;-) öhm…no sone anderi sach..hesch dumir vilicht e paar tipps wo uf dr bühni fäge? mir händ nämli bald en uftritt und ich hoff brutal dasmer guet achöme dört^^

Luegner:

he he … bühni … isch jetzt schochli länger her bi mir ;-) ) … aber di meischte CH-Rapper stepped uf d’Bühni und versueched so cool wie möglich zsii … ja kei emotione – isch scho fascht echli Schutzmechanismus … villicht au will die Dudes uufgregt sind … aber: Es Konzert is all about Kommunikation mitem Publikum … s’wichtigscht isch, dass möglichscht schnäll e Verbindig hergschtellt wird zwüsched de Band und de Lüüt … villi Bühne- Altmeischter (James Brown zB) hät das immer mit es paar dumme Sprüch und Witz gmacht … mit de Lüüt gredet und glacht … und s’wichtigscht vo allem: nöd verstelle … d’Lüüt merkeds bimene Konzert no vill schnäller als ufere Platte, wänn mer ine öppis vormacht … also wieso nöd säge, dass das de erschti Uftritt vo derä Band isch, und mer hofft, dass mer wenigschtens ein Ton trifft und suscht ladet mer halt de ganz Saal uf en Spaghetti- Plausch zu sich hei ii … mer sött mitem Publikum umgaa wie mit siim beschtä Kolleg: Ehrlich, fründlich, witzig, vertraut … churz verzelle, was jetzt für en Song chunnt, und um wases gaht, wieso Dich das Thema beschäftigt … aber ebe: CHURZ … s’Choschtparschte, was DU vom Publikum überchunnsch isch Ufmerksamkeit und Ziit … bitte nicht verschwenden … he he … (Sind übrigens quasi di gliiche Tips, wo mer au als Radiomoderator überchunnt – drum tön ich da au schowieder so Schuelmeischtermässig … he he … muesch mi suscht halt zrugg- pfiiiffä, wänns nümm ushaltisch ;-)

Andi:

Waaaas zruggpfiffe , de grandmastah Lü himself git mer tipps, do chöntsch mi schuelmeistermässig lo nochesitze und ich würd ait säge ;-p

Fett und Roh by Lügner

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